Funktionaloptometrie

Sehen bedeutet Wahrnehmen.
Die Funktionaloptometrie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Sinnesverarbeitung und den Zusammenhängen des Sehens - dem Sehverhalten von gesunden Augen beschäftigt. Sie ist ein spezielles Teilgebiet der Augenoptik (Optometrie).
Sehen bedeutet Wahrnehmen.
Sehen bedeutet ebenso die Bilder, die von unseren beiden Augen geliefert werden zu verstehen. Dazu braucht man Erfahrung. Erfahrung erhält man durch Lernen. Lernen ist abhängig von Zeit (Erfahrung zu einem bestimmten Zeitpunkt) und Raum (Umwelt).
Bei der Geburt ist unser Sehen noch nicht vollständig entwickelt. Wir müssen das Sehen erst im Laufe der ersten Lebensjahre erlernen. Die Augen liefern fast 90% aller Informationen, die im Gehirn in unterschiedlichen Arealen verarbeitet werden. Jede Information wird mit unserer Erfahrung verglichen und neu bewertet. Das geschieht unter Mitwirkung aller Sinne. So entstehen zahlreiche Verknüpfungen im Gehirn. Wir lernen.
Dieses Lernen ist umso effektiver je präziser, eindeutiger und schneller die Informationen unser Gehirn erreichen. Das ist wiederum abhängig von unserer Sehfähigkeit (Vision).
Störungen im Verlauf der allgemeinen Entwicklung führen zu einer schlechteren Sehfähigkeit, als bei einem optimalen Entwicklungsverlauf. Ebenso können Störungen durch äußere Einflüsse (gravierende Änderungen der Lebensbedingungen, besondere Ereignisse usw. ) eintreten.
Wie gut die visuelle Wahrnehmung funktioniert, hängt von 4 Fähigkeiten ab:
- Gleichgewicht + Bewegung (Antigravity) - Körperbild
- Aufmerksamkeit (Centering) - Konzentration, Erlangen von Organisation und Struktur
- Vergleichen der empfangenen Bilder (Identifikation) - Lernen, Einsatz von Sehschärfe
- Sinngebung (Perception oder verbal-auditive Erkennung)
Wenn Augenbewegung, Vergenz und Akkomodation es erlauben, ein einzelnes Objekt vom Hintergrund zu trennen und es zu identifizieren, werden nun die Informationen aller weiteren Sinne wie Gehör, Gefühl, Geruch und Geschmack zur Sinngebung herangezogen, das Objekt kann erkannt und benannt werden; es wird visuell wahrgenommen.
Je besser jede einzelne dieser vier Fähigkeiten entwickelt ist, um so genauer funktioniert unsere visuelle Wahrnehmung.
Werden Defizite bei der Analyse des Sehens festgestellt, so bietet der Funktionaloptometrist individuelle Lösungen an. Oft kann ein speziell auf das Problem der einzelnen Person abgestimmtes optometrisches Visualtraining die Wahrnehmung verbessern.

VISUALTRAINING
Optometrisches Visualtraining ist ein individuell auf das visuelle Problem des Einzelnen abgestimmtes Trainingsprogramm. Ein mit Hilfe der funktionaloptometrisches Meß- und Prüfverfahren analysiertes Defizit der visuellen Wahrnehmung wird mit speziellen Übungen "aufgearbeitet". Es kann nur bei gesunden Augen Anwendung finden. Ziel des Visualtrainings ist es, durch das individuelle Trainingsprogramm das visuelle System von Grund auf aufzubauen, zu entwickeln und zu festigen, damit die täglichen visuellen Anforderungen besser bewältigt werden können. Bei jedem Trainingstermin werden jeweils exakt aufeinander abgestimmte Übungen zur Augenmotorik, zur Vergenz, zur Akkomodation und zur Perception gezeigt und erläutert. Damit eine dauerhafte Integration in das visuelle System erfolgen kann, wird die jeweilige Stufe des Lernprozesses berücksichtigt. Alle 14 Tage wird dieser Status in unserem Institut überprüft, damit neue weiterführende Übungen erklärt werden können. Diese Übungen müssen dann täglich ca. 15 Min. zu Hause wiederholt werden.
Die Mühe lohnt sich, denn Ausdauer und Motivation führen zum dauerhaften Erfolg.
Zusätzlich wird Visualpflege, das sind allgemeine Regeln zum Sehverhalten, gefördert. Syntonic-Farblichtanwendung unterstützt gezielt das Visualtraining und bringt Sehkomfort.
Die meisten Wahrnehmungs-Probleme oder Teilleistungs-Störungen erfordern darüberhinaus eine genau abgestimmte interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehern, Lehrern, Ergotheratpeuten, Heilpädagogen, Motopäden, Osteopathen, Myoreflextherapeuten, Craniosacraltherapeuten, Logopäden, Psychologen, Hör- und Klang-Therapeuten, Kinderärzten, Allgemeinmedizinern, Fachärzten für Naturheilverfahren, Fachärzten für Augenheilkunde, HNO-Ärzten, Neurologen u. a.
Wem kann die Funktionaloptometrie mit Visualtraining helfen?
- Kindern mit Lese-/Rechtschreibproblemen
- Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten/Aufmerksamkeitsdefiziten (ADS / ADHS)
- Kindern mit Lernschwierigkeiten
- Amblyopen (Personen mit herabgesetztem Sehvermögen eines oder beider Augen)
- Personen nach Schleudertrauma
- Personen am Bildschirm-Arbeitsplatz
- Myopen (Personen mit Kurzsichtigkeit)
- Presbyopen (Altersichtigen)
- Sportlern
Falls Sie Ihre visuelle Wahrnehmung oder die Ihres Kindes analysieren lassen möchten oder wir Ihr Interesse am Visualtraining geweckt haben sollten, vereinbaren Sie doch einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch. Wir stehen Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung.
Informationen für Eltern
Gibt es bei Ihrem Kind eine oder mehrere der hier aufgeführten Auffälligkeiten - und ist eine Erkrankung als Ursache auszuschließen (Abklärung durch einen Mediziner) - so können diese von Störungen des beidäugigen Sehens verursacht oder verstärkt worden sein.
Lese- und Rechtschreibprobleme, schlechtes Schriftbild, "Rate-Lesen", Lese-Unlust, Konzentrationsschwächen, häufige Flüchtigkeitsfehler, Worte/Endungen weglassen, Buchstaben verwechseln/umdrehen (d - b, p -q, n - m), häufig "träumen", zu kurzer Lese/Schreibabstand usw.
Schnelles Ermüden beim Lesen/Schreiben/Lernen, öfter Augenschmerzen, Augenbrennen, Augentränen, Augen verrollen, häufiges Blinzeln/Reiben, Kopfschmerzen (in den ersten Lebensjahren eher Bauchweh), Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit (z. B. beim Schaukeln oder Autofahren), kneift öfter die Augen zusammen usw.
Ungeschickte Grobmotorik, Gleichgewichtsprobleme, öfter anecken/stolpern, mangelhafte Auge-Hand-Koordination, etwas umwerfen oder fallen lassen, schlechte Feinmotorik, allgemeine Ungeschicklichkeit (tollpatschig), Angst vor Höhenunterschieden - auch beim Turnen/Balancieren usw.
Schlechtes Gruppenverhalten, ungeduldig oder aggressiv, introvertiert oder impulsiv, auffällige Zappeligkeit, ängstlich, kaum Freundschaftskontakte ("Stubenhocker") usw.
Die üblichen Augen-Routine-Untersuchungen vermögen solche verdeckten Sehstörungen in der Regel nicht aufzudecken. Es scheint "alles in Ordnung" zu sein. Die Eltern fühlen sich in Sicherheit.
Diese Sehfunktions-Defizite oder Teilleistungsstörungen werden jedoch vom speziell dafür ausgebildeten Funktional-Optometristen im 21-Punkte-Meßverfahren und ergänzenden Funktionstesten nach OEP festgestellt, analysiert und - sofern eine Fern- und/oder Nahbrille allein nicht ausreicht - in einem individuell abgestimmten optometrischen Visualtraining gemildert oder behoben.


